Diagnostisches Vorgehen

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Labordiagnostik

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Prof. Dr. Stephan Petersenn
Prof. Dr. Jochen Schopohl
Wachstumshormon (GH) wird bei Gesunden in kurzen Pulsen aus der Hypophyse ausgeschüttet. Die Basalsekretion ist sehr gering, so dass die GH-Konzentration in etwa 50% der Blutproben unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Überwiegend wird GH in der ersten Tiefschlafphase einer Nacht sezerniert. Die GH-Sekretion aus der Hypophyse nimmt beim Erwachsenen mit dem Alter stetig ab.

Körperliche Anstrengung und Stress führen zu einem kurzzeitigen Anstieg der GH-Ausschüttung, während bei Depression eine verminderte Sekretion von GH diskutiert wird. Die Bedeutung von GH als Stoffwechselhormon wird in der Regulation durch Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel deutlich. Während bei Unterernährung und Fasten eine erhöhte Zahl und Amplitude der GH-Pulse beobachtet wird, ist bei Übergewicht die GH-Ausschüttung vermindert. Eine kurzfristige Erhöhung des Blutzuckers führt zu einer Hemmung, eine Unterzuckerung dagegen zu einer Stimulation der GH-Sekretion. Der Einfluss ist bei längerfristig erhöhter Blutzucker-Konzentration aber nicht mehr nachweisbar, ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus ist sogar mit einer erhöhten GH-Sekretion verbunden. Unter einer Behandlung mit Cortison in höheren Dosen ist eine Hemmung der GH-Sekretion zu beobachten, ebenso bei einer Schilddrüsenüberfunktion.

Das IGF-I („Insulin-like Growth-Factor 1“, gelegentlich auch noch als „Somatomedin C“ bezeichnet) wird in der Leber, im Knochen und in anderen Organen unter der Kontrolle von GH produziert und stellt ein gutes Maß der durchschnittlichen GH-Sekretion dar. Aufgrund der Abnahme der IGF-I-Konzentration mit steigendem Lebensalter sind genaue alters- und geschlechts-abhängige Normwerte zu beachten. Erhöhte IGF-I-Konzentrationen bestehen besonders in der Pubertät und während der Schwangerschaft, erniedrigte Konzentrationen dagegen bei Unterernährung, Anorexia nervosa und während des Fastens sowie bei Leber- und Nierenerkrankungen.

Da auch tagsüber vereinzelt GH-Pulse mit hohen Konzentrationen auftreten können, sind Einzelbestimmungen nur bedingt zum Ausschluss einer Akromegalie geeignet. Eine einzelne GH-Konzentration unterhalb der Nachweisgrenze eines modernen GH-Assays, bestimmt im nüchternen Zustand, schließt eine Akromegalie praktisch immer aus. Als screening Untersuchung kann die IGF-I-Konzentration benutzt werden, wenn zuvor die oben beschriebenen Zustände mit physiologischer Erhöhung ausgeschlossen sind. Bei verdächtiger Symptomatik sollte auch bei normaler IGF-I-Konzentration die Sekretion des GH in einem Suppressionstest überprüft werden. Im Rahmen eines oralen Glukose-Belastungstests werden 75g Glukose innerhalb weniger Minuten getrunken und die GH-Konzentration zusammen mit dem Blutzucker während der folgenden zwei Stunden bestimmt. Physiologisch ist eine Suppression des GH unter 0,4 ng/ml zu erwarten, andernfalls muss eine autonome GH-Sekretion im Sinne einer Akromegalie durch weitere Untersuchungen bestätigt oder ausgeschlossen werden. Falsch positive Befunde können u.a. bei Diabetes mellitus, Leber- und Nierenerkrankungen, beim Jugendlichen sowie bei Anorexia nervosa auftreten.

Bei großen Adenomen kann durch den Druck auf die gesunde Hypophyse die Sekretion anderer Hypophysenhormone schlechter werden. Besteht dieser Verdacht, so müssen auch diese Hormone durch einfache Blutbestimmungen oder ggf. durch Teste näher untersucht werden. Es handelt sich hierbei vor allen Dingen um Hormone, die die Funktion der Schilddrüse, der Nebennieren und der Geschlechtsdrüsen (Eierstöcke bei der Frau, Hoden beim Mann) steuern.
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